Bei der Säure-Basen-Regulation übernimmt das Bindegewebe eine wichtige Aufgabe. Eine zu hohe Säurebelastung wird selbstregulierend aus dem Blutkreislauf genommen und vorübergehend ins Bindegewebe geschoben. Nach Dr. med. Friedrich Sander (1882-1966) lagert sich überschüssige Säure im kollagenen Gewebe ab. Für die mit seiner Untersuchungsmethode nachgewiesene Übersäuerung des Bindegewebes (Titration) hat Sander den Begriff der latenten Azidose geprägt. Damit wollte er ausdrücken, dass trotz einer Überfüllung der Säuredepots gleichzeitig völlig normale Verhältnisse im Blut vorliegen. Die Übersäuerung bleibt im Blut also latent (verborgen). Das Bindegewebe verfügt über eine hohe Pufferleistung. Das bei der Bildung der Magensäure entstandene Natriumbikarbonat gelangt in die Blutbahnen und durchspült das Bindegewebe, um Säurevalenzen zu neutralisieren und wieder herauszulösen. Mit der alkalischen Reaktion und dem Phänomen der Basenfluten verlassen sie den Körper über die Nieren. Das Bindegewebe ist an allen Austauschvorgängen der Organzellen beteiligt. Durch die vermehrte Speicherung von Säure kommt es zu einer verminderten Wasserbindungsfähigkeit und damit zu einer Änderung des Quellungszustandes. Außerdem verhärten sich mit der Zeit die Ablagerungen und das Bindegewebe verliert an Elastizität. Die Viskosität der Bindegewebsflüssigkeit verändert sich nun von einer gut fließenden wässrigen Sole in einen zähen Wackelpudding. Das ist schlecht für den Transport der Nährstoffe, für das Immunsystem und ungünstig für die Figur und das Hautbild. Nach dem Pionier der Erforschung des Säure-Basen-Haushaltes Friedrich Sander beginnen alle Krankheiten im Bindegewebe und haben ihre Ursache in der mangelnden Aufnahme von basischen Mineralstoffen über die Ernährung.
Am 30. März 2018 las ich in einer Pressemitteilung von dpa (Deutsche Presse Agentur) mit der Überschrift Interstitium: Forscher entdecken neues Organ im menschlichen Körper. Mediziner haben im Körper ein Netzwerk entdeckt, das den Organismus durchzieht. Es gehört zum sogenannten Interstitium, dem Zwischengewebe, das unter der Haut liegt, aber auch alle Organe auskleidet und zudem mit Blutgefäßen, Lymphsystem und Muskelgewebe in Verbindung steht. Das Interstitium war zwar als festes Gewebe bekannt, doch berichten US-Forscher der Icahn School of Medicine at Mount Sinai, New York, im Fachjournal Scientific Reports von einem Netz von Hohlräumen im Gewebe, die Flüssigkeit enthalten und den Körper durchziehen. Die Hohlräume waren den Forschern zufolge bisher unentdeckt geblieben. Sie sehen in ihrer zufälligen Entdeckung ein „Potenzial für dramatische Fortschritte“. Das Gewebe-Geflecht könnte den Ärzten bei der Erforschung von Krebs helfen.
Der Gewebeforscher (Histologe) Professor Alfred Pischinger (1899-1983), Arzt der Wiener Schule, darf sich postum von dieser Meldung aus der Wissenschaft anno 2018 rehabilitiert fühlen. Er hatte sich bereits in den 1950 er Jahren mit diesen Hohlräumen intensiv beschäftigt und die Erforschung der Extrazellulären Matrix ins Leben gerufen. Nach seinen Erkenntnissen schwimmen alle Zellen in einer wässrigen Grundsubstanz mit basischem pH-Wert 7,4. Es gibt keine direkte Verbindung von den Blutbahnen zu den Zellen. Der Sauerstoff und alle Nährstoffe müssen erst durch diese wässrigen Hohlräume, ehe sie die Zellen mit Energie füttern können. Das Wohlergehen jeder einzelnen Zelle hängt vom Zustand ihrer äußeren Umgebung ab.
Es sieht so aus, als ob ein Gewebe, das bisher Interstitium hieß, also Zwischenraum, deutlich mehr ist als nur ein mit Proteinen aufgefüllter Bereich zwischen den Organen. Wieso ein so großes Organ, das den ganzen Körper durchzieht, bis dato nicht gesehen wurde, hat laut dpa-Pressebericht eine einfache Erklärung. Zwei erfahrene Ärzte untersuchten mit moderner Laserendomikroskopie den Gallengang eines Patienten und stießen dabei auf die mit Flüssigkeit gefüllten Kammern; die Zwischenschicht. Gewebeproben werden normalerweise chemisch behandelt, bevor sie untersucht werden. Dadurch wird die Zwischenschicht zerstört.
Mit der neuen Methode gelang es den Ärzten, lebendes Gewebe zu untersuchen. Christian Trautwein von der Uniklinik Aachen und Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) vermutet, dass das Netz nicht nur als Puffer dient, sondern auch eine Abwehrfunktion hat. „Die Ergebnisse könnten von großer Bedeutung sein. So kann möglicherweise nicht nur die Wirkung von Akupunktur besser erklärt werden, sondern auch, wie Entzündungen entstehen oder wie Krebszellen sich über verschiedene Organe ausweiten können“.
Das ist vollkommen richtig, aber nicht neu. Denn wenn dieser Zwischenzellraum mit Säuren belegt und dicht ist, kann die Lebensenergie eines Menschen, Chi oder Qi genannt, nicht frei fließen. Rund um die Uhr, 24 Stunden, durchflutet die Lebensenergie als Welle den ganzen Körper und nutzt dazu eben genau die Flüssigkeit der Zellzwischenräume als Energiebahnen.
Während namhafte Biologen und Mediziner von der Gesellschaft für Matrixforschung bei der Distanz zwischen Zellen und Blutgefäßen von Transitstrecken sprechen, benennt die Traditionelle Chinesische Medizin diese Energiebahnen als Meridiane, auf denen die Akupunktur-Punkte liegen. Diesem “feinstofflichen Wirkprinzip” widme ich mich in einem nächsten Blogbeitrag ausführlich.
Autor: Michael Droste-Laux, Fachkaufmann für Marketing, Berater für den Beauty-, Gesundheits- und Pharmazeutischen Markt
Bildnachweis: Adobe Stock © molekuul.be
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